Most beautiful outtake

Ich weiß nicht - wenn mein Leben ein Drehbuch hätte, in dem ich 
herumschreiben und markieren und rausstreichen könnte, ob ich 
deinen Teil streichen würde.

Vielleicht wäre er besser bei den heimlich geliebten Outtakes  untergebracht: Nicht gut genug fürs Leben, für das Ganze, den  Endfilm. Ein bisschen dumm gelaufen – oder zumindest nicht nach Plan. Aber ein kleines liebenswertes Highlight. Für Zuschauer Abfall, für mich viel zu wertvoll, um ihn auszuradieren.

Meistens ist es egal, was da steht. Wir würden jetzt aneinander vorbei gehen wie Fremde, wenn wir uns irgendwo in der Stadt in der Fußgängerzone entgegen kommen würden. Fremde – sind wir ja auch. Ich weiß nichts mehr über dich. Weil jeder sein Leben hat, ein Leben indem der Andere nicht mal mehr eine selten auftretende Nebenrolle spielt. Der Charakter ist weggezogen, gestorben, mit den Marsmännchen auf einen anderen Stern ausgewandert – ganz egal, zumindest ist er außer Reichweite der eigenen Gedankenwelt. Vielleicht kratzt du dich mittlerweile schon am Kopf, wenn du meinen Namen hörst, wie war das noch gleich? Eine kleine Zwischenszene, die gar nicht so übel war – erfrischend, abwechslungsreich, aber nicht von Dauer. Kein ganzer Film, von dem man sich die Fortsetzung im Kino anschauen würde. Eher so ein Gag in der Werbepause. Irgendetwas war uns dazwischen gekommen. Und ich könnte heute nicht einmal mehr sagen, was.

Aber trotzdem gab es Momente, trotz dieser Distanz, in denen ich dachte, dass ich dich in und auswendig kannte. Und du mich auch.

Und manchmal, wenn ich heute lese, was du mir vor die Füße twitterst, was du gerade machst, dann ist es schwer. Weil ich weiß, wie es aussieht, wenn du das tust. Weil ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man daneben sitzt, wenn du in dem Sofa liegst, den einen Fuß lässig auf der Glasplatte des kleinen Wohnzimmertisches abgelegt, in einer Hand eine Coke und in der anderen die Fernbedienung. Dein langsamer Atem und der wippende Fuß im Rhythmus der Hindergrundmusik, die mir sonst gar nicht so genau aufgefallen wäre, aber dir auffällt, weil du den Film schon fast mitsprechen kannst – wie so oft, wenn du so konzentriert auf den Fernseherbildschirm schaust und in manchen Momenten dieses schiefe Lächeln auflegst, schon bevor der eigentlich lustige Moment passiert. Manchmal hasste ich es, wenn du vor mir lachtest.

Und wenn dann DVD in deiner Away steht, dann sehe ich dich vor mir, wie du dir mit deinem schadenfrohen Lachen wieder Cola auf die Hose kippst und daraufhin sofort verlegen deine Arme über dem Klecks verschränkst.

Und zurück im hier und jetzt fühlt es sich an, als wäre ein kleiner Teil von mir gestorben – weil du jetzt gerade wieder so da sitzt, und es keine Rolle spielt, dass ich nicht mehr dabei bin.

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