Familienbesuch aus den Vereinigten Staaten

WE’RE ALL IN THIS TOGETHER

Es ist schon eine Weile her, dass meine Cousine mir ein Foto vor die Nase hielt und stolz verkündete: Das sind unsere Verwandten aus Iowa. – Unsere? Aus Iowa? Ich weiß noch genau, wie unglaublich ich das fand. Und so erklärte meine Cousine mir, dass sie Kontakt zu der Großmutter aufgenommen hätte und sie sich Briefe schreiben würden. Der Sohn und seine Frau waren schon einmal hier, vor 16 Jahren und man wollte sich bald endlich wieder treffen.

Bald begann gestern und dauert noch bis Samstag. Offen und fröhlich begrüßten mich die Großmutter, der Großvater, Sohn und Frau und die beiden 11 und 13-jährigen Töchter. Die Eltern hatten ein Foto dabei, das vor 16 Jahren vorm Haus gemacht wurde und so wurde zuerst an der selben Stelle mit den selben Leuten ein Foto geschossen. Äm Stärksten hat sich wohl das Haus verändert..:)

Man erzählte vom Wetter, bestaunte den Regen und den Hagel, zeigte sich Fotos von damals und heute und lernte sich kennen. Wir Mädels erklärten erst einmal das Spiel Mensch ärger dich nicht und kamen uns so immer näher. Amerikaner entschuldigen sich für alles und lieben alles.

Schließlich verteilten wir uns auf vier Autos und fuhren einzelne Stationen unseres Ortes an, die man mal zeigen könnte. Und das ist mir auch schon bei einem Schüleraustausch aufgefallen: Man lernt auch das eigene zu Hause noch viel besser kennen, wenn man es Fremden zeigt. …zumindest, aus anderen Perspektiven.

Mein Onkel, der im Schifffartsamt arbeitet und sämtliche Schlüssel für die Schleuse besitzt, ließ uns alle einmal hinter die Kulissen gucken. Schon als Kind wollte ich immer einmal in den großen Überwachungsraum über der Schleuse mit den großen blauen Fenstern.:)

Wir fuhren noch zur Hochzeitsmühle, zur Fähre, zum Park mit den Kriegsdenkmälern und auf den Schulhof, auf dem die kleine Olivia endlich klettern konnte.

Im Schwimmbad fing der Vater plötzlich an zu lachen und zeigte mit dem Finger in Richtung Toiletten. Sein Bruder habe einmal die Damentoiletten benutzt, weil er das Schild DA MEN mit seinen gerinen Deutschkenntnissen falsch interpretiert hatte.:)

Beim anschließenden Barbecue kannte man sich dann. Wir tauschten E-Mailadressen und machten weitere Fotos. Oft standen wir fasziniert im Kreis und fotografierten uns gegenseitig. Der Opa erzählte mir, auf meine Frage, was für ihn der größte Unterschied zwischen Europa und Amerika sei, dass bei uns jeder jeden kennt. Jetzt verstand ich auch die irritierten Blicke, als wir im Ort jeden erkannten und grüßten. (Die Großeltern wohnen nicht einmal im selben Land wie ihre Kinder und Enkel.)

Die stolze Oma erzählte von weiteren amerikanischen Verwandten, die Vewandte in unserem Ort haben und buchstabierte uns Namen, die wir versuchten zuzuordnen. Wie klein ist die Welt? Als mein Onkel schließlich beschloss, ihnen das Telefonbuch zu schenken, war die grandma so dankbar, dass sie laut verkündete, sie würde das Buch voller Namen mit ihrem Mann jetzt abends immer zum Einschlafen lesen.

Auf dem Tisch fand ich ein kleines getackertes, selbstgebasteltes Heft der kleinen Olivia: My German dictionary. Sie hatte sich die wichtigsten Sätze auf Deutsch und Englisch aufgeschrieben und dazu notiert, wie das Deutsche ausgesprochen wird. Sowas niedliches! Meine Cousine und ich schrieben gemeinsam einen kleinen Gruß auf die letzte Seite und machten sure, dass die Mutter es mitnahm, um es der Kleinen auf dem Rückweg wieder zu geben.

Was ich aber vor allem von diesem Tag in Erinnerung behalte ist, wie süß meine Familie ist, wenn sie versucht Englisch zu sprechen, Wörter durcheinander bringt und selbstsicher so Sachen wie it’s baggert erfindet, um zu erklären, wie ein Baggersee entstanden ist.

Ich finde, dass mein kein-Wort-Englisch-sprechender Opa sich besonders  gut geschlagen hat.

Und ich glaube, wir haben alle lange nicht mehr so sehr zusammen gehört und so viel gelacht, wie gestern.

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