Von Glitzer, Kitsch, Klischees und Sonne

Jetzt kann man es wirklich nicht mehr abstreiten: Der Sommer ist da und haut mit seiner ganzen Energie ordentlich auf die Thermometeranzeige. Ich sprang in meinen weißen Sommerrock und nahm J’s Einladung zur diesjährigen Bückeburger Landpartie an – wir hatten VIP Tickets :). Für mich war das Prämiere und ich erhoffte mir ein paar hübsche Fotomotive.

Wir schlenderten vom Parkplatz durch einen Waldweg zum Eingang der Landpartie, gönnten uns eine Bowle und folgten den roten Wegweisern über den Wassergraben zum Barockschloss. Beim Betreten der großen Sääle prasselten die vielen Eindrücke so sehr auf mich ein, dass ich so schnell gar nicht alles realisieren konnte: Deckenbemalungen, Kronleuchter, Statuen, Stände mit unbezahlbaren, eleganten Kleidungsstücken. Die Menschen blieben leider nicht lange vor Gemälden stehen, ließen nichts auf sich wirken, nahmen sich nicht wirklich die Zeit, zu versuchen zu verstehen. Es ging vorrangig ums kaufen. Man wurde von der weitertreibenden Masse mitgerissen und fühlte sich wie ein Hindernis, wenn man stehen blieb, um etwas genauer zu betrachten. Aber ich bin da ja dickbastig.;)

Tausdende Stände umrahmten den gigantischen Schlossgraben. Es war so heiß, dass man am liebsten einfach reingesprungen wäre. Aber diese meterlangen Riesenfische, die so aussahen, als könnten sie sonen felligen Dackel problemlos verdrücken, verschafften einem doch ausreichend Respekt, sich zusammenzureißen und ein überteuertes Glas Wasser zu kaufen. Und da traf ich den wohl süßesten Schokobriocheverkäufer überhaupt. Barfüßige Verkäuferinnen mit Klunkerringen an den Zehen versuchten einen für 150€-teure Sonnenhüte zu begeistern (und erlangten vor allem bei der Generation 60+ große Erfolge). Wenn ich reiche Rentnerin wäre, würde ich mir auch einen kaufen. Divas in Ballkleidern und pinkhemdige weiße-BMW-Fahrer mit blonder Begleitung schländerten eisschleckend von Stand zu Stand und bewerteten all diese Dinge, die niemand braucht – und die man kauft, einfach, weil man es kann. Ein barockverkleideter Reiter zu Pferd haute mir im Vorbeigehen einige Kieselsteine um die Ohren, aber ich wich schließlich eher vor den verfolgenden Lieferwagen aus. Ein sehr gegensätzliches Bild. Naja, sie habens versucht. Der Schlossherr ließ sich dann mit einem Oldtimerkonvoi von spalierstehenden Besuchern bejubeln und stellte alle übermotivierten Gartenscherenverkäufer zumindest für eine Weile in den Schatten. Ich glaube, ich wäre an den Abgasen der alten Motoren erstickt, hätte ich auch nur eine Sekunde länger dort stehen müssen. Dem Schokobrunnen und meinem Traumsessel Maui konnte ich (nur schwer) widerstehen, ließ mich aber zum Kauf einer überteuerten Silberkette verführen.;)

Nach Froschköniggießkannen, pinker Bärchenseife, Prinzessinenzimmern (im Turm) und dem künstlichhistorischen Glamour der Menschen dort, ließ ich mich nach einiger Zeit irgendwie doch mitreißen. Too much Kitsch will kill you. Aber im Moment steh ich auf diesen Schnickschnack.

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