Pollly Voll-Version-18.5™

…und wer bin ich morgen?

Wenn ich mir den Globus so anschaue, das staubige alte Ding auf dem Schrank, und die Linien und Farben einmal auf mich wirken lasse, bis ich mir vorstellen kann, einfach mal aus der Mondperspektive auf die Erde zu gucken und mir für alles was hier leibt und lebt kleine rote Punkte auf die Kontinente denke, und mich dann mit einem kleinen roten Exemplar versuche zu identifizieren, dann kommt mir die Frage in den Sinn: Was bedeute ich schon? Ein kleines X-Chromosomenpärchen mehr oder weniger – was kann ich schon bewegen, wenn der Rest der Welt so groß ist? Selbsteinschätzungen sind so schwer. Ich könnte nicht in einem Satz sagen, wer ich bin. Wahrscheinlich nicht einmal in einem ganzen Buch. Das wäre nur Herumgerede und Rumdrückerei. Und der Rest der Welt? Andere drücken dir viel leichter einen Stempel auf, obwohl sie dein Innerstes nicht kennen – auch wenn sie das vielleicht denken. Aber so ein Blog verrät auch nur das, was man verraten möchte und da wird auch einiges zurechtgerückt, versteckt oder verschwiegen. Wenn ich Blogs von Menschen lese, die ich persönlich kenne, muss ich manchmal schief grinsen und denke mir dabei, dass sie im Alltag ganz anders sind. Aber sind sie es wirklich? Ist der Blog nur eine Art Marketing? Oder spielen sie ihre Rolle in der Gesellschaft nur so gut? Schreiben wir nicht alle nur so, wie wir gelesen werden wollen? Wie wir es vielleicht gerne hätten? Und was ist schon schlimm daran? Andere machen sich so schnell ein Bild – denen fällt es leichter, mich in Worte zu fassen. Also wenn ich heute sterben würde, was würde man morgen über mich sagen? Manchmal frage ich mich, wie Menschen reagieren würden, die mir was bedeuten. Wem ich fehlen würde, auch wenn er jetzt schweigend an mir vorbei geht. Und wer auf meiner Beerdigung sein würde. Wer eine Rede halten würde und überhaupt, welche Worte würden gewählt? Es wäre gigantisch, das zu wissen. Bestimmt gibt es Momente, die mir Menschen nie vergessen werden. Vielleicht habe ich jemandem Unrecht getan, der noch immer vor Ärger schluckt und werde es nie erfahren und nie wieder gut machen können. Ich weiß nicht, ob das so ist – ich hoffe nicht. Am Liebsten würde ich geradeaus den Mund auf machen und fragen: „Wenn ich jetzt verschwinden würde, wie würde ich dir in Erinnerung bleiben?“ – doch die Antworten wären nie die Wahren, denn in so etwas kann man sich nicht von einer Sekunde auf die Andere hineinversetzen. Doch angenommen wenn, dann wüsste ich, ob es in etwa das ist, was ich hören wollte. Ich könnte mich ändern, um die beste Version von mir zu werden, die ich sein kann.

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