My November

blackwhite
(Sizilien, Nov 2009)

Im November weht oft ein Wind durch die Straßen, wenn die Bäume am Straßenrand die letzten Blätter verlieren und die Kälte den Menschen das Gesicht verzieht. Nichts greifbares, nichts das sie festhalten können oder gar weiterschieben. Sie retten sich ins Warme, verrammeln die Fenster und lauschen, während der Sturm bedrohlich an den Schallosien rüttelt. Und die Bäume – sie schwingen panisch hin und her, als wollen sie sich davor schützen. Man sieht es, wenn man die Augen schließt – nur eine Ahnung, ein Bauchgefühl. Und ich schlafe nie, schließe nur die Augen, aber sehe nicht weg, kann es nicht. Denn es ist schon wieder ein Jahr vergangen und es hört nicht auf, weil man es loslassen müsste.

Und immer sitzt die Melancholie in mir drin, grau und schwer und weiß genau, dass ich gegen November nicht ankommen kann. Jedes Mal erneut und jedes Mal gleich. Wenn du weißt, dass du dein ganzes Leben lang nicht von diesem einen Menschen loskommen wirst, obwohl es vielleicht längst vorbei ist, dann fühlt sich das ähnlich an. Und wenn dann das Grau der Stadt immer größer wird, obwohl es mir nie als Grau erscheint, dann braucht man diesen Menschen, von dem man sagen kann, dass man ihn hat. Wenn du jemanden hast, den du in und auswendig kennst und der dir deine Gedanken ausspricht, noch bevor du den Mund öffnen kannst. Einen Menschen, der genau weiß, wie du aussiehst, wenn du morgens ungeschminkt und mit verwuschelten Haaren aufwachst und der weiß, wie deine Stimme dann klingt und der gar nicht mehr sieht, dass es nicht perfekt ist. Dieser Jemand, der den Geruch deiner Haare auswendig kennt und den deiner Kniekehlen, genau wie den Geschmack deines Blutes, der weiß wie du vor Freude Tränen lachen kannst und wie du ausflippst, wenn dir etwas nicht passt. Der Mensch, der deine Träume versteht und sie teilen kann oder dir zumindest genug Platz dafür lässt. Der Mensch, der mit geschlossenen Augen jedes Detail deines Körpers in Gedanken zeichnen kann, und der dich aushält, egal was passiert. Der Mensch, der die Bäume draußen beruhigt und den Wind und das trübe Grau verschwinden lässt, sei es auch nur durch Trennung in schwarz und weiß.

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