Step by Step

treppe

Als ich dich das erste Mal sah, wünschte ich mir, du wolltest auf die selbe Etage wie ich gelangen. In meiner Phantasie, da wars ein Zweierzimmer, doch das ist noch nicht wichtig, denn was eigentlich zählt ist, dass wir vor der gleichen Treppe standen. Du kamst von oben und ich von unten und so gingen wir erste Schritte aufeinander zu. Die ersten Stufen waren erfüllt von Spannung und Neugierde, von ersten Blickkontakten, sich vom Weiten etwas genauer beschnuppern und bemerken, dass das andere Ende der Treppe gar nicht das Ziel sein müsste. Es hätte auch der Weg das Ziel sein können, oder dass wir uns in der Mitte treffen. Aus kleinen vorsichtigen Schritten wurden dann größere. Vielleicht übersprang man hier und da eine Stufe, weil man es nicht mehr abwarten konnte und überforderte sich damit. Dann blickte man zurück und ärgerte sich, dass man bei einem zu großen Sprung den Schuh verloren hatte und barfuß weitergehen musste. Beim nächsten Mal hätte ich es vielleicht anders gemacht. Irgendwann war das Aufstehen, auf einander zu gehen wirklich nicht mehr zu verkennen. Und dann hatte man noch den höchsten Punkt auf der Treppe erreicht, bei dem man zusammen stand. Wir schlugen die gleiche Richtung ein, zusammen, und du gabst mir Halt auf den unbekannten Stufen. Ich konnte mich neben deiner Hand auch am Geländer festhalten, aber du warst eindeutig die bessere Stütze im Leben. Wir gingen wenige Stufen zusammen und manchmal, da warst du so weit weg, obwohl der Kontakt ganz eng war. Manchmal sogar ZU eng, da konnte man nicht einmal mehr einen Schritt nach vorne gehen, doch das war okay. Man träumte gemeinsam von dem großen Ziel am Ende der Treppe, man wollte zusammen ankommen und zusammen weiter machen, egal was da käme. Manchmal löste sich deine Hand zum Umschalten, zum Kochen, zum Wohnungsbau oder was auch immer spannendes passiert, bei einem Umzug, einer neuen Uni, einem neuen Lebensabschnitt, aber sie kam immer wieder zurück. Wenn sie dann plötzlich aber länger auf sich warten lässt, dann steht man alleine da und sogar das Geländer an der Seite gibt einem keine Sicherheit mehr, ob das nur eine Phase ist. Dann ist das Risiko auf einmal viel größer zu fallen und man fürchtet den Boden unter den Füßen zu verlieren.

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  1. Mein Sohn ist heute die ersten Meter gelaufen. Solche Tage sind echt unvergesslich! Leider wird Marvin viel zu schnell groß.

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