So emotional

Unvermeidliche Vorfreude gemischt mit ein bisschen Aufregung – im kühlen, halligen Keller leise mit der Gitarre eingesungen, versuche ich die letzten Stunden herumzukriegen, die einfach nicht vergehen wollen – und ich denke, dass es den beiden Brautpaaren gerade wohl genauso ergeht.
Viel zu früh mache ich mich auf den Weg zur Kirche, wohl wissend, dass mir zu Hause sonst jede Sekunde die Decke auf den Kopf fiele. Monition: eine große Termoskanne Tee, falls sich der kleine Frosch im Hals nochmal meldet und die ein oder andere Halstablette. – Oben auf der Empore angekommen blicke ich hinab auf noch leere Bänke, mit einem Kribbeln im Bauch. Tee!!! – Eine letzte Probe.

Mit jedem Hochzeitsgast der die Kirche betritt, fängt mein Herz schneller an zu pochen. Aufregung – eine von der guten Sorte. Der Pastor gibt ein Zeichen, die Orgelmusik beginnt. Alles erhebt sich und die beiden Brautpaare schreiten durch den Gang bis ganz nach vorne. Wie gebannt blicken alle auf die beiden Bräute und lächeln. Mein Herz klopft fleißig mit den ihren mit.

Der fremde Organist spielt ein wenig zu lang. Ich muss grinsen, als ich den Pastor sehe. Bei unserer Organistin ist das immer das Zeichen, dass sie aufhören soll, wenn er sich umdreht, aber der Fremde sieht nicht in den Spiegel und spielt das Stück zu Ende, ganz.
Zeit zum Durchatmen.

E. mit der schönen Stimme liest eine Bibelstelle vor und dann geht alles ganz schnell. Jawort, Ringtausch, Kuss und schließlich das Zeichen vom Pastor, auf das wir gewartet haben. Die Jungs und ich wechseln einen kurzen Blick. Sie lächeln: das machen wir jetzt zusammen.

Als das Klavier beginnt zu spielen fangen meine Hände an zu zittern und ich muss mich konzentrieren, dass meine Stimme nicht das gleiche tut.
The Rose schwebt durch den Raum und mein Blick trifft den der einen Braut, die mit Tränen in den Augen und einem Lächeln auf den Lippen zu mir nach oben schaut. Jetzt muss ich mich erst recht zusammenreißen.

Und es mag kitschig klingen und schmalzig und triefen, aber trotzdem rührt es mich ungemein, mich da auf dieser Aufnahme zu wissen, die hoffentlich geklappt hat und mich dort nocheinmal mit Abstand neben Prinzen & Dirk zu hören. Das ist Wahnsinn. Und ich glaub, schon deswegen könnten wir zusammen gar keine Konzerte spielen, ich würd wahrscheinlich auf der Stelle losheulen. Nennt mich nah am Wasser. Ich spring dann rein. Man unterschätzt doch immer wieder die Macht der Emotionen, besonders bei Hochzeiten.

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