Achtung Zweibeiner auf freiem Fuß!

Erkenntnis des Tages: Menschen sind komisch.

Gestern fand ich Warten schlimm. Heute kenne ich die Steigerung: WARTEZIMMER.

Donnerstagmorgen, 8.15 Uhr.
Ich trete in das leere Wartezimmer und nehme genau gegenüber der Eingangstür platz. Hier saß ich letztes Mal auch, da war alles gut, nehm ich den Stuhl doch wieder. Als hätte das irgendetwas mit meinem Testergebnis zu tun. – Blödsinn.

Die Tür öffnet sich und eine ältere Dame nimmt direkt neben der Eingangstür platz.
Morgen.
Morgen.

Sie wirft einen Blick über die Zeitungen, findet aber nichts.
Zwei weitere ältere Menschen kommen ins Wartezimmer und setzen sich daneben.
Wie eine Front. Eine feindliche.

front

Ich sitze alleine auf der anderen Seite.
Morgen.
Morgen.
Morgen.

Guten Morgen, sage ich zur Abwechslung und lächele. Sie lächeln zurück, blicken auf den Zeitungsstapel, wenden den Blick ab und unterhalten sich über den neuen Hund des Nachbarn. Kein hübsches Tier, erfahre ich ungefragt. Gehorcht auch nicht.

Das Ende des Gespräches. Alle 3 schweigen und ich spüre ihre Blicke auf mir. Ich versuche, mir nichts anmerken zu lassen und blättere in dem neuen „Haus & Garten„-Magazin…

1 Minute 45, 46, 47 – So jetzt reichts.
Ich blicke auf und starre die 3 Augenpaare gegenüber an.
Sofort wenden sie ihren Blick ab und schauen ziellos im Raum herum. Tüdeldüdeldü.

Dann werde ich aufgerufen. Leider dauert meine Intervall-Behandlung nicht lang.
Jetzt darfst du wieder ins Wartezimmer. In einer Stunde messen wir wieder.
DARFST?
..muss, denke ich für mich. Ich bin wohl die einzige Jüngere, die morgens zum Arzt geht.

Hallo Cerberus, denke ich und blicke auf ein kleines süßes Osterhäschen, das neben dem Wartezimmereingang hockt und provokant unschuldig aussieht.
Da hab ich auch schon wieder Platz genommen und mein Buch aus meiner Tasche gekramt. Seelen, von Stephenie Meyer. Den Anfang find ich zu lang. Irgendwie muss ich mich immer zwingen weiter zu lesen. Aber hey, in diesen 2 Stunden hier werde ich es schon bis zu dem Moment schaffen, wos spannend wird. Hoffe ich.

Im Wartezimmer sitzen inzwischen noch 2 neue Leute. Wieder direkt an der Front.
Vielleicht gibts hier auch einen Sitzplan, den man einhalten muss, vielleicht machen die das jeden Morgen so. Und ich habs als Einzige falsch gemacht!

Immer und immer wieder entflieht meine Aufmerksamkeit und ich erfahre Neuigkeiten, die ich gar nicht hören will. Nochmal lese ich den Teil jetzt aber nicht, wird schon nicht so wichtig gewesen sein..

Wenigstens unterhalten die sich jetzt. Gottseidank. Ich kann so zwar nicht besonders viel lesen, aber besser als pausenlos angestarrt zu werden.

Wwwwwwd Wwwwwwwd. Wwwwwwwwwwwd. Wwwwwwwwwd.
Oh nein. Mein Handy!
Und da habe ich sie endlich wieder: Die volle Aufmerksamkeit.
Danke, Mama.

Während meines Telefongespräches mit meiner Mum sehen mich alle an. ALLE. Diesmal spüre ich es nicht nur, ich sehe es. Und sie wenden dieses Mal nicht ihre Blicke ab, als sie sich mit meinem treffen. Ich kann förmlich in den Augen der älteren Leute lesen. Dieser neumodische Scheiß, den brauch doch keiner, kann die nicht zu Hause telefonieren?

Nein, kann ich nicht. Ich brauch auch mal wen zum erzählen. :P
Ne, Mama, erst in einer halben Stunde.
Ja, wieder um halb.
Okay.
Ja.
Bis nachher.

Die haben die ganze Zeit erzählt! Während meines Telefongesprächs haben die geschwiegen und gelauscht!
Alle!

2 Stunden können einem wirklich lange vorkommen.
Eine Frau kommt hinein. Eine etwas jüngere. Und sie setzte sich auf meine Seite. Pah. :D

2 Stunden später erfahre ich, dass alles gut ist.
Hatte ich doch den richtigen Platz.;)

Dann fahren wir zum Optiker und ich bestelle mir die Bundeswehrbrille, dessen Rahmen ich dringend bekleben muss, weil ich auf keinen Fall mit Tarnmuster durch die Gegend laufe. Niemals. Aber das Gestell ist einfach am Besten.

Dann will meine Mum noch irgendwo anders hin und ich soll solange nach Schuhen gucken.
Ich wette, sie wusste, dass die 2 Schuhläden nur 80€-schwere Ommalatschen haben. Jedenfalls nichts für mich.:D

Ich musste mal auf die Toilette. Hatte schließlich nach dem Zuckerzeug ordentlich Wasser getrunken. Also lief ich am Auto auf und ab und wartete auf meine Mum. Gut, dass sie mein Handy hatte. (Meins und ihrs.)

Nach einer halben Ewigkeit (wenn man aufs Klo muss dauert Zeit ja immer länger) kommt sie wieder mit ’na Topfplanze im Arm, die während der Fahrt nicht umkippen darf. Ich versichere meiner Mutter, dass das bei meinem Fahrstil sicher nicht gelingen wird und beweise es ihr eine Kreuzung später.

Dann gehen wir essen. Nur meine Mama und ich. Und ich bin sicher, dass es das so noch nie gegeben hat bei uns. Hotel zur Post. Da fahr ich täglich dran vorbei. Wusste gar nicht, dass das da so lecker ist. Nach 13 Stunden hungern (musste ja beim Arzt unbedingt nüchtern sein) hätte mir aber wahrscheinlich eh fast alles geschmeckt. Schöne Toiletten haben die da auch.^^ Ich erinnere mich daran, wie mein Opa früher immer gesagt hat, wenn ich irgendwo essen gehe, wo ich noch nie war, sollte ich erst auf die Toilette gehen. Wenn die piekfein ist, wird es auch in der Küche ordentlich aussehen. Ist das Klo eine runtergekommene Siffbutze, bräuchte ich mir nicht schönreden, dass es in der Küche anders aussehe. Ich bin sicher, da hat er Recht und werfe einen Blick aus dem frischgeputzten Fenster nach oben in den Himmel.

Dann fahren wir zum Netto. Die Kassiererin hat über ihrem Namen ein weiteres Schild mit der Aufschrift: Ich bin freundlich. Gut, dass sies nochmal dran geschrieben haben.
Ich knipse mental ein lustiges Foto von ihrem Schild kombiniert mit dem grimmigen Blick, den sie an den Tag gelegt hat und freue mich 10 Minuten später immer noch darüber.:D

Ich gebe meiner Mum die Autoschlüssel und gehe noch schnell zum Schlecker. Haben die hier was für Ostern? – Nein, haben sie nicht.

Als ich zurück zum Auto komme steht meine Mum am Einkaufswagen und sucht die Schlüssel.
Hast du den?
Da fällt ihr wieder ein, dass sie ihn in den Kofferraum geschmissen hat, beim Einladen. Toll, dass der Kofferraum jetzt zu ist und wir keinen 2. Schlüssel dabei haben.

Da blickt sie mich auch schon wütend an und läuft immer 10m vor mir in Richtung nach Hause. Das ist die Gangart, wenn sie sauer ist. Den hat sie auch immer in der Stadt, wenn wir zu spät zum Zahnarzt kommen. Und ich muss wie blöd hinterherlaufen.
Aber nicht mit mir. Ich renne ihr hinterher, harke sie am Arm ein und fange an mich über alles kaputt zu lachen.
Endlich lacht sie mit und zu Hause finden wir den Ersatzschlüssel um das Auto zu holen. Gut, dass wir nicht so weit vom Supermarkt entfernt wohnen.

Zu Hause angekommen fahre ich grade den Laptop hoch, da klingelt mein Handy.
Hey.
Ja okay.
Ich bin sofort da.

Meine Freundin wartet an der Ecke auf mich. Spaziergang. Es gibt also Neuigkeiten bezüglich M.
Wir gehen zusammen wieder zum Netto und ich zeige ihr die „freundliche“ Verkäuferin. Auf dem Hinweg sehen wir einen Brillenträger mit dieser Sonnenbrillenglas-Umklapp-Funktion. Wir können uns ein Lachen nicht verkneifen als er nicht mehr in Reichweite ist und wissen, dass das gemein ist.

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